{"id":1216,"date":"2013-10-10T14:43:43","date_gmt":"2013-10-10T12:43:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.heidrun-buecker.de\/?page_id=1216"},"modified":"2021-10-18T14:47:41","modified_gmt":"2021-10-18T12:47:41","slug":"leseproben","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.heidrun-buecker.de\/?page_id=1216","title":{"rendered":"Leseproben"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2><strong>&#8222;Machtlos&#8220;<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Deutsche Ulrike Bauer wird in Kolumbien des Mordes an ihren beiden Kindern und ihrem Mann angeklagt. Obwohl sie unschuldig ist, scheinen die Beweise gegen sie erdr\u00fcckend zu sein. Sie wird zu lebenslanger Haft verurteilt. Ein Albtraum wird wahr \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Nach f\u00fcnf Jahren, in denen sie immer wieder mit dem Tod bedroht wird, gelingt Ulrike Bauer die Flucht aus dem Gef\u00e4ngnis. Nun versucht sie, ihre Unschuld zu beweisen und die wahren M\u00f6rder ihrer Familie zu finden. Auf ihrer Mission ist sie nicht allein: ihre Helfer und sie m\u00fcssen auf ihrer Suche zu drastischen Ma\u00dfnahmen greifen. Nur gut, dass diejenigen, die Ulrike unterst\u00fctzen, viel Erfahrung mit ungew\u00f6hnlichen und h\u00f6chst gef\u00e4hrlichen F\u00e4llen haben \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Foxfire sind zur\u00fcck \u2013 und begeben sich auf eine atemlose Jagd nach den Drahtziehern dieser Intrige, die im Dschungel von Kolumbien beginnt und sich \u00fcber Kontinente erstreckt. Heidrun B\u00fccker ist mit \u201eMachtlos\u201c wieder ein spannender Thriller gelungen, in dem starke Frauen ihre eigenen Wege finden, um f\u00fcr Gerechtigkeit zu sorgen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Prolog<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p>Kolumbien!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Flucht war gegl\u00fcckt, aber ob es hier in dem Versteck wirklich sicher war, konnte sie nur hoffen. Ihre Helfer hatten ganze Arbeit geleistet. Aus dem Hochsicherheitstrakt des Staatsgef\u00e4ngnisses zu entkommen, grenzte an ein Wunder.<\/p>\n\n\n\n<p>Am liebsten w\u00e4re sie sofort aus diesem verdammten Land geflohen, w\u00e4re nach Hause zur\u00fcckgekehrt, nach Deutschland. Aber leider ging das nicht. Sobald sie deutschen Boden betreten h\u00e4tte, w\u00e4re sie verhaftet und vermutlich wieder nach Kolumbien ausgeliefert worden. Es n\u00fctzte ihr nichts, dass sie die deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft besa\u00df. Das Gesetz war in diesem Punkt unnachgiebig. Bei Mord kannte man kein Pardon.<\/p>\n\n\n\n<p>Ulrike Bauer sa\u00df seit f\u00fcnf Jahren in einem Gef\u00e4ngnis in Kolumbien. Das Urteil war schnell gesprochen und lautete auf vors\u00e4tzlichen dreifachen Mord. Das bedeutete lebenslange Haft.<\/p>\n\n\n\n<p>Ulrike Bauer war erst achtunddrei\u00dfig Jahre alt, als man sie anhand von eindeutigen Beweisen verhaftete. F\u00fcnf qualvolle Jahre hatte sie abgesessen, bis ihr mithilfe guter Freunde, die alle an ihre Unschuld glaubten, die Flucht aus dem Hochsicherheitstrakt gelang.<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste, leichtere Teil war geschafft. Nun galt es, die wahren M\u00f6rder ihres Mannes und ihrer beiden Kinder zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Versteck w\u00e4re sicher, sagten ihre Freunde, dennoch sollte sie besser nicht die Unterkunft verlassen. Versorgt mit den wichtigsten Lebensmitteln, konnte sie nicht verhungern. Ihre Gesamtsituation hatte sich eigentlich nicht verbessert. Das Haus befand sich inmitten einer unwegsamen Gegend. Hierher verirrte sich niemand, und niemand vermutete, dass in der halb verfallenen H\u00fctte jemand lebte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ulrike Bauer schaute vorsichtig aus dem maroden Holzfenster ihrer Unterkunft, konnte keine Bewegung au\u00dferhalb feststellen und setzte sich beruhigt auf einen der alten Holzst\u00fchle.<\/p>\n\n\n\n<p>Immer wieder zuckte sie bei jedem noch so kleinen Ger\u00e4usch zusammen. Die f\u00fcnf brutalen Jahre, die sie in Haft verbringen musste, waren grausam gewesen. Nicht nur innerliche, auch \u00e4u\u00dferliche Narben hatte sie davongetragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihre einzige Freundin in Kolumbien, Kerstin G\u00e4rtner, ebenfalls eine Deutsche, hatte es geschafft, sie hin und wieder im Gef\u00e4ngnis besuchen zu k\u00f6nnen, und ging damit ein hohes Risiko ein. Sie wohnte damals im Nachbarhaus und hatte die Entf\u00fchrung ihrer Kinder beobachtet. Sie sagte auch vor Gericht zu Ulrikes Gunsten aus. Leider glaubte man ihr nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Kerstin wusste genau, dass sie unter Beobachtung stand, man verfolgte sie auf Schritt und Tritt. Sie bef\u00fcrchtete, das gleiche Schicksal wie Ulrike zu erleiden, sollte sie weiterhin versuchen, ihre Freundin im Gef\u00e4ngnis zu besuchen. Deshalb nahm sie Kontakt zu Ulrikes Anwalt, Frederico Solano, auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Ulrike vertraute ihm. Kerstin blieb skeptisch. Leider waren die Beweise vor Gericht so massiv, dass auch er hilflos mit ansehen musste, wie seine Mandantin zu einer dreifachen lebenslangen Haftstra\u00dfe verurteilt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb war die einzige M\u00f6glichkeit, Ulrike zu helfen, die Rettungsaktion von Deutschland aus zu steuern.<\/p>\n\n\n\n<p>Frederico Solano kopierte s\u00e4mtliche Akten des Prozesses und schickte sie zu Kerstin. Leider war es strikt verboten, den H\u00e4ftlingen diese Dokumente zukommen zu lassen. Da auch Besuche untersagt waren, musste sich Kerstin zun\u00e4chst in Deutschland selbst in die Unterlagen einlesen. Eine sehr lange Liste mit noch mehr Fragen lag neben dem Aktenstapel. Per Mail nahm sie Kontakt zu Solano auf. Er hatte als Einziger die M\u00f6glichkeit, seine Mandantin alle drei Monate im Gef\u00e4ngnis zu besuchen. Da der Prozess abgeschlossen war, eine Wiederaufnahme als aussichtslos abgeschmettert wurde, konnte er nicht von seinem Recht Gebrauch machen, seine ehemalige Mandantin mehr als einmal viertelj\u00e4hrlich aufzusuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kerstin sandte ihm die Fragen zu, die ihr auf der Seele brannten. Die Unterlagen, die der Anwalt ihr zuschickte, vermittelten ihr den Eindruck, nicht vollst\u00e4ndig zu sein. Dass ihre Freundin, die sie jahrelang kannte, ihren Ehemann und die beiden Kinder grundlos ermordet haben sollte, war eins der R\u00e4tsel, die sich niemand erkl\u00e4ren konnte. Kerstin hatte die Verhandlung als Zuschauerin verfolgt. Meist waren keine Sitzpl\u00e4tze im Verhandlungssaal zu ergattern, denn der Prozess wirbelte eine Menge Staub auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon w\u00e4hrend der Verhandlung fielen ihr immer wieder Ungereimtheiten auf. Ulrike Bauer hatte die Leichen ihres Mannes und die der Kinder nie pers\u00f6nlich identifizieren d\u00fcrfen. Der Zeuge, der ihr Alibi f\u00fcr die Tatzeit best\u00e4tigen k\u00f6nnte, wurde nicht befragt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eV\u00f6llig belanglos\u201c, urteilte der Richter, ein \u00e4lterer, kahlk\u00f6pfiger Mann, Mitte sechzig, klein und rundlich. Ein dicker Siegelring protzte an seinem rechten Ringfinger.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Dolmetscher \u00fcbersetzte zwar ihre Antworten w\u00e4hrend der Verhandlung, aber Kerstin vermutete, dass er es mit den Fragen des Staatsanwaltes nicht so genau nahm. Frederico Solano versuchte einzugreifen, aber der Richter lie\u00df ihn nicht zu Wort kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein abgekartetes Spiel? Die Vermutung lag nahe, konnte aber weder bewiesen werden noch hatte Ulrike die M\u00f6glichkeit, sich Notizen w\u00e4hrend des Prozesses zu machen. Ihre H\u00e4nde blieben in Handschellen und waren seitlich an ihrem Stuhl fixiert. Selbst wenn sie ein Blatt Papier und einen Stift gehabt h\u00e4tte, w\u00e4re schreiben nicht m\u00f6glich gewesen. Es grenzte an Folter, stundenlang in dieser starren Haltung sitzen zu m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcnf Jahre lang hatte Ulrike Bauer Zeit, sich Gedanken \u00fcber die Geschehnisse zu machen, kam aber zu keinem einleuchtenden Resultat. Die Zeit im Gef\u00e4ngnis hatte sie hart werden lassen, die einzige M\u00f6glichkeit, um hinter diesen Mauern zu \u00fcberleben. Ihre Mitgefangenen gingen nicht gerade wohlwollend mit ihr um, und da sie \u00fcber keinerlei Barmittel verf\u00fcgte, konnte sie sich keine Freunde kaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie lernte sich zu verteidigen, sich zu wehren, wurde selbst zu einer dieser gewaltt\u00e4tigen Frauen, die sie normalerweise verachtete. Hier ging es ums reine \u00dcberleben, egal wie. Nachdem sie endlich begriffen hatte, wie die Hierarchie in einem Staatsgef\u00e4ngnis von Kolumbien funktionierte und sie keine Skrupel mehr hatte, zur\u00fcckzuschlagen, konzentrierte sie sich auf ihre Flucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Unterfangen, von dem ihre Mitgefangenen ihr abrieten: \u201eAus diesen Mauern hat es noch nie jemand geschafft, zu fliehen. Vergiss es.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Vergessen wollte und konnte sie es nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einem Jahr erhielt sie eine neue Zellengenossin. Sie war nicht so brutal, gewissenlos und gewaltt\u00e4tig wie ihre Mitbewohnerinnen zuvor. Ulrike freundete sich mit ihr an. Conztanza war erst dreiundzwanzig, klein, zierlich und musste erst noch die harte Schule des Gef\u00e4ngnisses kennenlernen. Sie wurde mit einem blauen Auge und zwei Platzwunden im Gesicht zu Ulrike in die Zelle gebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ulrike versorgte die Wunden. \u00c4rztliche Behandlung war in diesem Fall nicht \u00fcblich. Wenigstens erhielt sie Pflaster und ein Desinfizierungsmittel, so konnte Ulrike die Wunden zumindest s\u00e4ubern.<\/p>\n\n\n\n<p>Conztanza zuckte zur\u00fcck, als Ulrike sich der ersten Platzwunde annahm. Mittlerweile war ihr Spanisch perfekt, aber das wusste niemand. Mit dem Wachpersonal sprach sie nicht, mit ihren Mitgefangenen nur ein gebrochenes, st\u00fcmperhaftes Kauderwelsch.<\/p>\n\n\n\n<p>In ihrer Zelle \u00fcbte sie flei\u00dfig, sobald sie alleine war, was nicht h\u00e4ufig vorkam. Nach einem Jahr verstand sie jedes Wort, nur mit der Aussprache meinte sie, w\u00fcrde es noch hapern.<\/p>\n\n\n\n<p>Conztanza dachte, Ulrike w\u00e4re genauso unmenschlich wie die anderen H\u00e4ftlinge. Ulrike fl\u00fcsterte ihr auf Spanisch zu: \u201eKeine Angst, ich tue dir nichts. Halt einfach nur still, damit ich deine Wunden versorgen kann.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Conztanza hob verwundert den Kopf: \u201eDu sprichst meine Sprache? Man hat mir gesagt, ich k\u00e4me in deine Zelle, weil du mich nicht verstehen w\u00fcrdest.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDann posaune dein Wissen nicht gleich aus. Belassen wir es dabei, dass die anderen glauben, ich w\u00fcrde sie nicht verstehen und wir w\u00fcrden uns nicht verst\u00e4ndigen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Conztanza versprach es.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir werden den anderen noch eine b\u00fchnenreife Showeinlage bieten, damit sie meinen, wir w\u00fcrden uns hassen. Wenn du mitspielst, werden sie ihre Genugtuung dabei haben, uns zusammenzulassen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Erleichtert atmete Conztanza auf. Ulrike hoffte, in der n\u00e4chsten Zeit nicht mehr von den Mith\u00e4ftlingen bel\u00e4stigt zu werden, obwohl sie mittlerweile genau wusste, wie sie sich gezielt gegen diese Angriffe zur Wehr setzten konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach zwei Wochen waren Conztanzas Wunden verheilt. Die beiden trainierten in ihrer engen Zelle, um fit zu bleiben. Es war nicht einfach, aber die Enge hinderte sie nicht, tatkr\u00e4ftig zu \u00fcben. Gewichte besa\u00dfen sie nicht, also begn\u00fcgten sie sich mit den Dingen, die in der Zelle vorhanden waren: sie selbst. Ulrike stemmte Conztanza, und die schm\u00e4chtige dunkelhaarige Kolumbianerin probierte immer wieder Ulrike hochzuheben. Eine Besch\u00e4ftigung, die gut gegen ihre Langeweile war, denn es wurde ihnen noch nicht einmal ein Buch oder ein Hofrundgang gestattet.<\/p>\n\n\n\n<p>In ihren Trainingspausen unterhielten sie sich \u00fcber ihren jeweiligen Prozess, \u00fcber die Taten, die sie angeblich begangen haben sollten, und wieder kristallisierte sich heraus, dass man hier die Menschen wahllos beschuldigte, verurteilte und f\u00fcr Jahre hinter Gitter steckte.<\/p>\n\n\n\n<p>Conztanza wurde des Diebstahls beschuldigt und sollte die n\u00e4chsten zehn Jahre im Hochsicherheitstrakt des Staatsgef\u00e4ngnisses absitzen. \u201eIch habe gestohlen, um meine Familie zu ern\u00e4hren. Ein weniger schweres Delikt, aber w\u00e4hrend des Prozesses kam dann der<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;leitende Ermittlungsbeamte pl\u00f6tzlich an und pr\u00e4sentierte eine T\u00fcte mit harten Drogen, die er angeblich in meinem Zimmer unter dem Bett gefunden haben will.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd?\u201c Ulrike wurde neugierig. \u201eWaren es deine?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein. Aber wegen Drogenbesitz kam&nbsp; ich dann doch hierher in den Hochsicherheitstrakt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWarum wollte man dich denn dann hinter Gitter sehen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Conztanza zuckte mit den Schultern. \u201eIch habe keine Ahnung.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e\u00dcberlege \u2026, was ist in den Tagen zuvor passiert? Wo warst du da? Wem bist du begegnet? Was hast du gemacht?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu stellst merkw\u00fcrdige Fragen \u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch denke, wir beide sind irgendjemandem auf die F\u00fc\u00dfe getreten. Wir haben etwas gesehen, was wir nicht sehen durften.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAber wir beiden kannten uns doch vorher gar nicht. Du bist doch schon l\u00e4nger hier drin als ich.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eStimmt, wenn wir den gemeinsamen Nenner finden, wissen wir vermutlich auch, warum man uns aus dem Weg schaffen will.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201ePah\u201c, kam es von Conztanza, \u201edann w\u00e4re es doch vorteilhafter gewesen, man h\u00e4tte uns umgebracht. Dann w\u00e4re das leidige Thema ein f\u00fcr alle Mal erledigt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eStimmt, aber bei mir w\u00fcrde man Fragen stellen, ich komme aus Deutschland. Die deutsche Botschaft hatte sich zwar kurz eingeschaltet, wollte aber nichts unternehmen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eLass uns weiter trainieren und dabei \u00fcberlegen, welchen gemeinsamen lieben Freund wir vergrault haben k\u00f6nnten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Nach weiteren drei Monaten harter \u00dcbung schaffte Conztanza es, Ulrike hochzuwuchten. Ihre Freude war gro\u00df, sie jubelte laut. Ulrike zuckte zur\u00fcck und fing lauthals an zu fluchen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVerdammt, du bl\u00f6des Mistst\u00fcck, dir werde ich es zeigen\u201c, sie schlug hart auf das Kopfkissen ein und schrie zeitgleich, \u201eAua \u2026!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Conztanza wusste im ersten Moment nicht, was los war. Ulrike fl\u00fcsterte ihr zu: \u201eDu kannst nicht einfach freudig jubeln, denk daran, wir sind verfeindet. Schrei einfach laut.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Conztanza begriff und klatschte ebenfalls gegen ihre eigene Hand. Sie schrien, sie kreischten, es h\u00f6rte sich nach einem harten Kampf an.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Streit konnte man noch einige Kerker weiter h\u00f6ren. Niemand w\u00fcrde ihre Zelle betreten, niemand w\u00fcrde nachschauen, was dort passierte. Vor neugierigen Blicken waren sie sicher.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter lachten sie leise.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHat geklappt\u201c, sagte Ulrike, \u201eGl\u00fcck gehabt. Die sollen weiter der Meinung sein, wir erschlagen uns demn\u00e4chst gegenseitig.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sollten recht behalten.<\/p>\n\n\n\n<p>In den n\u00e4chsten Wochen erz\u00e4hlte Ulrike ihrer Zellengenossin, wie sie in diesem menschenunw\u00fcrdigen Gef\u00e4ngnis gelandet war.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n<h1><strong>&#8222;Skrupellos&#8220;<\/strong><\/h1>\n<p><strong>Leseprobe<\/strong><\/p>\n<p>Prolog<\/p>\n<p>Duisburg \u2013 Herzklinik, Intensivstation<\/p>\n<p>Vanessa hielt die warme Hand ihres Mannes. Ihr war bewusst, dass er in wenigen Minuten tot sein w\u00fcrde, dass er eigentlich schon jetzt nicht mehr lebte. Die Intensivstation wurde von T\u00f6nen \u00fcberflutet, die sie nerv\u00f6s machten. Ein unertr\u00e4glicher sinn\u00fcberflutender Ger\u00e4uschpegel von Maschinen, die dazu dienten, die Brust anzuheben, Luft einzupumpen, um sie dann mit einem Zischen entweichen zu lassen. Sie wusste, sobald die Maschinen ausgeschaltet wurden, gab es keine Zukunft mehr. In diesem Moment starrte sie nur noch auf eine leere H\u00fclle. Zwar sah diese so aus wie der Mann, mit dem sie zweiundvierzig Jahre lang verheiratet war, aber eine Reaktion, eine Geste, ein L\u00e4cheln \u2026 all das war nicht mehr. Diese Ger\u00e4te konnten noch tagelang einen Herzschlag simulieren. Die aktuelle Medizintechnik war dazu imstande.<br>Erschrocken zuckte sie zusammen.<br>Theos Augenlider flackerten. Sollte die Chance bestehen? Nein. Unm\u00f6glich. Die Prognose der \u00c4rzte war eindeutig und sagte etwas anderes.<br>Multiples Organversagen.<br>Heilungschancen: null.<br>Er wird nie wieder nach Hause kommen, dachte sie, er wird nie wieder in seinem Sessel sitzen, wir werden nie wieder miteinander reden, und ich werde nie wieder seine Hand halten k\u00f6nnen \u2026 Es war die Endg\u00fcltigkeit, die sie nicht zur Ruhe kommen lie\u00df.<br>Es war zu sp\u00e4t, noch etwas zu unternehmen. Diese M\u00f6glichkeit hatte sie verpasst, als ihr Mann noch in dem anderen Krankenhaus lag. Sie machte sich die allergr\u00f6\u00dften Vorw\u00fcrfe. Im Grunde war sie schuld. Im Grunde hatte sie ihren Mann auf dem Gewissen, weil sie nicht rechtzeitig reagiert hatte.<br>Warum habe ich nicht daf\u00fcr gesorgt, dass er in ein anderes, besseres Krankenhaus verlegt wird, wo man sich auch um die Patienten k\u00fcmmert? Warum habe ich im Innersten gehofft, dass ich mich irre und er doch nicht so schwer krank ist? Warum habe ich den \u00c4rzten im anderen Krankenhaus geglaubt, es w\u00e4re nicht so schlimm, eigentlich harmlos \u2026<\/p>\n<p>\u201eEin paar Tabletten, einige Wochen Schonung und Ihrem Mann geht es wieder besser. Lungenentz\u00fcndung halt. F\u00fcr \u00e4ltere, geschw\u00e4chte Menschen bei der kalten Jahreszeit nicht optimal. Sobald sich das Wetter bessert, so-bald die Sonne scheint, dann wird es wieder aufw\u00e4rtsgehen. Ihr Mann kann nach Hause, wir ben\u00f6tigen hier Platz f\u00fcr wirklich kranke Menschen.\u201c<br>\u201eKann es nicht doch ein Herzinfarkt sein\u201c, wagte sie nachzufragen, \u201eoder zumindest eine Erkrankung am Herzen? Die Schmerzen in der linken Brust, im linken Arm und in der linken Schulter. Er bekommt doch keine Luft \u2026 das ist doch eindeutig.\u201c<br>\u201eLassen Sie uns unsere Arbeit machen\u201c, die \u00c4rztin wurde ungehalten, \u201ewir haben die erforderlichen Untersuchungen gemacht. Ihr Mann hat nur eine leichte Lungenentz\u00fcndung. Mit Antibiotika geht es ihm bald besser.\u201c<\/p>\n<p>Sie hatte letztendlich der \u00c4rztin geglaubt, bevor diese eilig in einem anderen Patientenzimmer verschwunden war. Im Nachhinein war sie sich nicht einmal sicher, ob diese \u00c4rztin \u00fcberhaupt wusste, um welchen Patienten es ging.<br>Sechs Wochen sp\u00e4ter lag ihr Mann in der Herzklinik in Duisburg. Die zw\u00f6lfst\u00fcndige OP war&nbsp; vergeblich gewesen. Sie hatte die Entscheidung allein treffen m\u00fcssen und zugestimmt: Die lebenserhaltenden Ma\u00dfnahmen w\u00fcrden gleich abgeschaltet werden.<br>Sie erinnerte sich an die letzten Schritte, die sie und ihr Mann gemeinsam machten. Es war vor vierzehn Tagen auf dem Weg zum Krankenwagen. Die Sanit\u00e4ter meinten, der Zustand ihres Mannes sei nicht so bedrohlich, als dass man ihn tragen m\u00fcsste. Er war geschw\u00e4cht und wankte. Sie h\u00f6rte, wie ein Sanit\u00e4ter dem anderen zuraunte: \u201eDer ist ja jetzt schon angetrunken.\u201c Vanessa reagierte nicht auf diese beleidigende \u00c4u\u00dferung. Sie st\u00fctzte ihn. Allein schaffte er die wenigen Meter bis zum Krankenwagen nicht. Zwei Stunden nach seiner Einlieferung lag er bereits in einem der speziell eingerichteten Zimmer und war an Monitore und anderen \u00dcberwachungsger\u00e4te angeschlossen. Sein Zustand verschlechterte sich st\u00fcndlich.<br>Nach vier Tagen wurde er endlich nach Duisburg verlegt, als die \u00c4rzte es doch f\u00fcr erforderlich hielten, ihn gr\u00fcndlich zu untersuchen und endlich feststellten, dass er lebensbedrohlich erkrankt war.<br>Zu sp\u00e4t.<br>In wenigen Minuten w\u00fcrde man die Maschinen abstellen \u2026 in wenigen Minuten w\u00fcrde ihr Mann tot sein.<br>Sie w\u00fcnschte sich, ihre Tochter w\u00e4re an ihrer Seite. Doch die war f\u00fcr eine Hilfsorganisation einige tausend Kilometer entfernt unterwegs. Sie konnte sie nicht erreichen. Schon seit einigen Wochen meldete sie sich nicht mehr. Sie war wie vom Erdboden verschwunden, ebenso wie einige andere Helfer, die f\u00fcr diese Organisation arbeiteten. Zun\u00e4chst hie\u00df es nur, es w\u00e4re eine ansteckende Krankheit ausgebrochen, und man habe alle Beteiligten in einem Krankenhaus unter Quarant\u00e4ne gestellt. Aber warum konnten sie nicht wenigstens telefonieren?<br>Sie zuckte zusammen, als der Oberarzt noch einmal zu ihr kam. Er blieb an der T\u00fcr stehen und wartete.<br>Sie nickte ihm zu.<br>Nun war es endg\u00fcltig.<br>Vanessa schaute ein letztes Mal zu Theo, ber\u00fchrte ein letztes Mal seine Hand, strich ihm ein letztes Mal \u00fcber die Wange und verlie\u00df mit tr\u00e4nenverschleierten Augen das Zimmer \u2026<\/p>\n<h6>&nbsp;<\/h6>\n<p>Leseprobe:<\/p>\n<h1>&#8222;Verlorene Spur&#8220;<\/h1>\n<p>Corinna leidet unter einer Amnesie, hervorgerufen durch einen Mordanschlag in \u00c4gypten, bei dem ihr erster Ehemann und drei der Besch\u00fctzer get\u00f6tet wurden. Nur ihr 10 Monate alter Sohn und sie selbst konnten durch den Bodyguard Leonard Benders von der Sondereinheit Foxfire gerettet werden. Seit siebzehn Jahren lebt Corinna ohne Vergangenheit. Sie hat mittlerweile Leonard geheiratet und geh\u00f6rt ebenfalls zum Foxfireteam, da ungeahnte Talente in ihr schlummern, wie sie trotz der Amnesie feststellen musste.<\/p>\n<p>Nur gelegentliche Flashbacks lassen sie sekundenlang in ihre Vergangenheit schauen. Sie wird fast jede Nacht von Augen verfolgt, sie wollen ihr etwas sagen\u2026 leider dauern diese Illusionen nie lange an und sie kann nicht sagen, ob es sich nur um einen Traum&nbsp; handelt, oder ein Hinweis auf ein Ereignis aus ihrer Vergangenheit ist. Noch immer wei\u00df niemand, wer hinter dem Mordanschlag an ihrem ersten Mann, einem Wissenschaftler steckt, der in einer Forschungsabteilung des &nbsp;Au\u00dfenministeriums arbeitete.<\/p>\n<p>Als endlich die Mauer, die sich um ihre Erinnerungen gelegt hatte zusammenbricht, ist es f\u00fcr Corinna ein Schock\u2026 es ist alles ganz anders, als sie bislang aus den alten Berichten in Erfahrung bringen konnte. Jemand aus ihrer unmittelbaren Umgebung scheint sie jahrelang hintergangen zu haben.<\/p>\n<p>Um die M\u00f6rder zu fassen, muss sie ihnen eine Falle stellen.&nbsp; Corinna fliegt 17 Jahre nach dem Attentat wieder zur\u00fcck, zur\u00fcck nach \u00c4gypten, nach Luxor, zur West Bank\u2026<\/p>\n<p>Letztendlich siedelt sich die Sondereinheit des Au\u00dfenministeriums \u201eFoxfire\u201c sogar in der Feldmark an. Zwischen den Eins\u00e4tzen der Agenten, zu denen auch Charly, eine Frau und Scharfsch\u00fctzin im aktiven Einsatz geh\u00f6rt, wohnen sie in dem Dorstener Stadtteil, das \u00fcberaus perfekt zur Autobahnauffahrt Kirchhellen Nord liegt und \u00fcber ein gro\u00dfes Feld hinter dem Haus der Protagonistin Corinna verf\u00fcgt, auf dem sogar die Helikopter landen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es auch gef\u00e4hrliche Schie\u00dfereien in der Feldm\u00e4rker Nachbarschaft, als ein B\u00f6sewicht versucht, einige Mitglieder Foxfires auszuschalten. Aber diese elit\u00e4re Einheit w\u00e4re nicht Foxfire, wenn sie&nbsp; nicht den Feind gnadenlos ausschalten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>*****<\/p>\n<h4><strong>Die Handlung und alle Personen in diesem Buch sind frei erfunden. Alle m\u00f6glichen \u00c4hnlichkeiten mit tats\u00e4chlichen Vorg\u00e4ngen oder Ereignissen bzw. mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zuf\u00e4llig\u2026.&nbsp;&nbsp; &#8212;&nbsp; <\/strong><strong>oder auch nicht<\/strong><\/h4>\n<p><strong><u>Verlorene Spur<\/u><\/strong><\/p>\n<p><strong>1995, \u00c4gypten \u2013 Luxor \u2013 West Bank<\/strong><\/p>\n<p>Br\u00fctende Hitze lag \u00fcber dem Fluss. L\u00e4stige Insekten surrten um ihren Kopf, schwirrten und krabbelten auf den wenigen Stellen ihrer Arme und Beine herum, die nicht mit Stoff bedeckt waren. Der M\u00fcll am Flussufer stank bis hierher. Zerrissene Plastikt\u00fcten flogen durch die Luft. Irgendwelche toten Tiere trieben nahe dem Ufer entlang oder hatten sich dort im Schlamm festgesetzt. Bewegungslos harrte sie im Schilf aus und beobachtete die Sumpflandschaft. Ab und zu schweiften ihre Blicke \u00fcber das Maisfeld hin\u00fcber zum Haus.<\/p>\n<p>Es war schw\u00fcl, obwohl es erst Anfang M\u00e4rz war. Sie fluchte, eine neue Angewohnheit von ihr, verdammte die Menschen, die daf\u00fcr verantwortlich waren, dass sie in diesem Land war. Wie sollte es erst im Sommer werden, wenn man es im Fr\u00fchjahr kaum aushielt? Die Hoffnung, dann zur\u00fcck in Deutschland zu sein, schminkte sie sich ab. Was g\u00e4be sie f\u00fcr eine Scheibe Graubrot und frisch aufgebr\u00fchten, richtigen Kaffee. Dieses l\u00f6sliche Zeug. Sie sch\u00fcttelte sich, sie verabscheute all das, obwohl sie noch nicht lange hier lebte.<\/p>\n<p>Leben? Nein. Dahinvegetieren konnte sie es nur nennen. Sie schwelgte in Erinnerungen, dachte an Deutschland, erinnerte sich an das k\u00fchle Regenwetter, an Schnee und nahm sich vor, sollte sie zur\u00fcck sein, w\u00fcrde sie nie wieder \u00fcber das deutsche Wetter meckern &#8230;Sie war so tief in ihren Gedanken versunken, dass sie eind\u00f6ste. Das sich n\u00e4hernde Motorenger\u00e4usch \u00fcberh\u00f6rte sie \u2013 zun\u00e4chst.<\/p>\n<p>*<\/p>\n<p>\u201eWillkommen in der H\u00f6lle, neu hier?\u201c Leonard Benders nickte und grunzte m\u00fcrrisch, als er von der R\u00fcckbank des verbeulten Jeeps seine Reisetasche nahm. Seine miese Laune besserte sich nicht, als er sich den Ort anschaute, zu dem er von seinem neuen Arbeitgeber, Foxfire, geschickt worden war.<\/p>\n<p>Seit er f\u00fcr die Organisation arbeitete, lernte er die Welt kennen. Seine Aufenthalte in den jeweiligen Krisengebieten dauerten allerdings nicht lange an. Als gelernter Wirtschaftspr\u00fcfer hatte er t\u00e4glich mit Zahlen zu tun. Das wurde ihm langsam, aber sicher langweilig. So entschloss er sich, bei seinem ehemaligen Freund und Kollegen mit &nbsp;einzusteigen, der f\u00fcr das Au\u00dfenministerium eine Sondereinheit aufbaute.&nbsp; Sein Freund ben\u00f6tigte gerade Leute mit einer Nahkampfausbildung&nbsp; und einem abgeschlossenen Studium, vorzugsweise in seinem Bereich. Einen Anwalt konnte er auch schon f\u00fcr sich gewinnen. So nahm er den Job an, der wesentlich interessanter war, als t\u00e4glich mit Zahlen zu jonglieren.<\/p>\n<p>\u201eWas hast du ausgefressen?\u201c Benders hob missbilligend seine rechte Augenbraue. \u201eKevin. Kevin Mondal.\u201c Er lachte auf. \u201eWer hier landet, wurde strafversetzt. Ulli und Michael ebenfalls\u201c, er deutete auf zwei andere M\u00e4nner, die etwas entfernt unter einem gro\u00dfen Baum im Schatten sa\u00dfen und rauchten. \u201eDu bist die Abl\u00f6sung f\u00fcr Ulli, der darf nach Hause. Daf\u00fcr bist du nun hier. Ein oder zwei Monate, und du darfst zur\u00fcck in die Zivilisation.\u201c<\/p>\n<p>Kevin steckte sich eine Zigarette an und lie\u00df seinen Blick schweifen. Endlich bequemte sich Leonard zu antworten.<\/p>\n<p>\u201eLeonard Benders. Und wie lange musst du noch?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch hoffe, nur noch vier Wochen. \u201c<\/p>\n<p>\u201eWas machen wir hier eigentlich?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWir bewachen einen Wissenschaftler und seine Familie. Seine Frau ist gerade mit dem Kind zum Ufer des Nils gegangen, das macht sie h\u00e4ufig, da weht etwas Wind, meint sie. Der Kleine, ein Junge, ist zehn Monate alt. Der Professor ist im Haus und arbeitet.<\/p>\n<p>\u201eWarum sind sie hier? Es sind doch Deutsche. Konnte man sie nicht woanders unterbringen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eSie sind nun schon f\u00fcnf Monate auf der Flucht, Deutschland wurde zu unsicher, nach zwei Tagen wurden wir jedes Mal aufgesp\u00fcrt und mussten weiter. Wie oft wir fl\u00fcchten mussten, kann ich gar nicht mehr sagen. Hier sind wir schon zwei Monate, und man hat uns noch nicht gefunden.\u201c<\/p>\n<p>\u201eVerstehe, deshalb hat man mir nicht gesagt, wohin es geht. Mittlerweile habe ich einen umst\u00e4ndlichen Weg hinter mir. Frankfurt \u2013 London \u2013 Dubai \u2013 Kairo und nun Luxor.\u201c<\/p>\n<p>Kevin nickte. \u201eEr ist Wissenschaftler, hat irgendetwas entdeckt, glaube ich. Irgendwer ist hinter ihm her, mehr wissen wir auch nicht. Habe geh\u00f6rt, er w\u00fcrde auch f\u00fcr unseren Verein arbeiten, in einer Forschungsabteilung. Zwei Mordversuche hat er hinter sich, und nun sind wir an der Reihe, ihn zu besch\u00fctzen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie hei\u00dft er? Lerne ich ihn kennen, oder ist er so ein arrogantes Arschloch, das er nicht mit uns spricht?\u201c<\/p>\n<p>Kevin sch\u00fcttelte den Kopf, zog ein letztes Mal an seiner Zigarette und dr\u00fcckte sie aus.<\/p>\n<p>\u201eDie Familie ist adelig, hat Geld, ist aber nicht hochn\u00e4sig. Im Gegenteil. Du wirst sie nachher kennenlernen. Wir duzen uns und essen sogar alle zusammen, darauf haben beide bestanden. Corinna ist froh, wenn sie Unterhaltung hat, und Noah, der Kleine, ist niedlich und lacht stets. \u201eCorinna und Noah? Und wie hei\u00dft der Professor?\u201c<\/p>\n<p>\u201eVictor von Blankenheim-Solbach\u201c, erkl\u00e4rte Kevin, \u201eProfessor Dr. von Solbach \u2013 unter diesem Namen wurde er bekannt.\u201c<\/p>\n<p>Leonard stockte.<\/p>\n<p>\u201eGott, den bewachen wir? Verstehe. Ging ja wochenlang durch die Presse. Ich dachte, der ist tot.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein, aber es muss einen Maulwurf in unseren Reihen geben\u201c, erkl\u00e4rte Kevin weiter. \u201eDeshalb besprachen wir die Flucht nach Luxor nur noch mit unserem direkten Vorgesetzten Wallner, und erst jetzt, nachdem niemand wei\u00df, wo wir sind, k\u00f6nnen wir durchatmen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGut, dann lass uns hineingehen, damit ich den Professor kennenlerne.\u201c<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<h4>Leseprobe<\/h4>\n<h1>&nbsp;&#8222;Tanz mit dem Teufel&#8220;<\/h1>\n<p><\/p>\n<p>Delia schaute auf die Armbanduhr, wenn sie sich beeilte, k\u00f6nnte sie in einer Stunde im Hotel sein. Marcel w\u00fcrde schon ungeduldig warten. Ob es ihm besser ging?<\/p>\n<p>Sie hasste diese tr\u00fcbe Jahreszeit und hasste sp\u00e4te Termine an fremden Orten, die sie nicht kannte, und sie verabscheute es, alleine ins Hotel zur\u00fcckfinden zu m\u00fcssen. Das Navi konnte sie nicht gebrauchen, seit sie diese d\u00e4mliche Umleitung passiert hatte. Keinerlei Angaben, wo sie sich befand. Nur die Ansage, dass sie umdrehen sollte. Laut Navi fuhr sie durch Niemandsland. Mist, es war so dunkel, hier in den Bergen, dass selbst die Scheinwerfer kaum eine Lichtschneise auf die Stra\u00dfe werfen konnten.<\/p>\n<p>Die Serpentinstra\u00dfe schraubte sich unaufhaltsam in die H\u00f6he.<\/p>\n<p>Und dann noch diese andere Sache, die ihr keine Ruhe lie\u00df. Ihre Gedanken schweiften ab. Hatte sie es vor wenigen Tagen richtig bemerkt? Und dann auch noch Ulla, ihre Assistentin und rechte Hand. Sie entdeckte die Unstimmigkeiten in den Buchf\u00fchrungsunterlagen. Zahlungen an eine Firma, die es scheinbar nicht gab. Oder?<\/p>\n<p>Steckte Frank Meller dahinter, ihr neuer Prokurist? Sie hatte ihn k\u00fcrzlich gesehen &#8230; mit diesem Dr. Klein, der in der N\u00e4he eine Privatklinik betrieb. Marcel war auch dabei &#8230; Sie unterhielten sich angeregt, vertraut, fast so, als w\u00fcrden sie sich alle drei schon l\u00e4nger kennen.<\/p>\n<p>Zweifel!<\/p>\n<p>Sie war sich nicht sicher. Vielleicht &#8230;<\/p>\n<p>Sollte sie vorher mit Marcel sprechen? Ihr Ehemann interessierte sich nicht f\u00fcr die Firma, dennoch \u2013 als Bekannter ihres Prokuristen konnte er ihr vielleicht etwas \u00fcber diesen zwielichtigen Mann erz\u00e4hlen, der ihr eigentlich zuwider war und den sie doch auf sein Anraten hin einstellte. Was hatten sie beide mit Klein zu besprechen?<\/p>\n<p>Konzentriere dich auf die Stra\u00dfe, ermahnte sie sich zum wiederholten Male, hier kennst du dich nicht aus, es ist dunkel, stockfinster, einsam. Es fing an zu regnen. Wieder schweiften Delias Gedanken ab.<\/p>\n<p>Er lie\u00df sie nicht in Ruhe, dieser bohrende Zweifel, sie musste unbedingt mit jemandem dar\u00fcber reden, mit jemandem, dem sie vertrauen konnte. Antonio kam ihr in den Sinn, aber er w\u00fcrde bald wieder nach Argentinien abreisen. Blieb nur noch Adrian, ihr Schwager.<\/p>\n<p>Es war nur dieses winzige Detail, das sie hellh\u00f6rig werden lie\u00df, als Meller erw\u00e4hnte, diesen Arzt, Dr. Klein, nicht zu kennen. Sie stutzte kurz, hoffte, dass ihr Gegen\u00fcber es nicht w\u00e4hrend der Besprechung bemerkt hatte, und sch\u00fcttelte dann sofort wieder das aufkeimende Unbehagen ab.<\/p>\n<p>Der Bordcomputer zeigte an, dass es die falsche Richtung war. Sie vermisste ein weiteres Umleitungsschild. Hatte sie ein Schild \u00fcbersehen? Eine Abzweigung, eine Stra\u00dfenkreuzung? Hier war es so einsam, dass sie auf die Tankuhr schaute und hoffte, nicht gerade hier in der Wildnis wegen benzinmangel anhalten zu m\u00fcssen. Nein, der Tank war noch fast voll. Sie schaute zu ihrer Handtasche, die auf dem Beifahrersitz lag, in der sich ihr Handy befand. Konnte sie wagen, es herauszuholen? Lieber nicht, besser das Lenkrad festhalten. Kein anderes Fahrzeug vor oder hinter ihr, absolute Dunkelheit, Stille und Einsamkeit.<\/p>\n<p>Ein mulmiges Gef\u00fchl machte sich in ihrem Innern breit. Die Stra\u00dfe wurde immer schmaler, rechts neben ihr, hohe Felsen, unter ihr die gnadenlose Tiefe und kein Platz zum Wenden.<\/p>\n<p>Die Konferenz hatte l\u00e4nger gedauert, als sie gedacht hatte. Marcel blieb im Hotel, da es ihm nicht gut ging. Kurz bevor sie losfuhr, bat sie an der Rezeption, man solle einen Arzt rufen. W\u00e4hrend einer kurzen Pause versuchte sie Marcel zu erreichen, wollte sich erkundigen, wie es ihm ging, und was der Arzt gesagt hatte. Sie konnte ihn aber telefonisch nicht erreichen. Bevor sie zur\u00fcckfuhr, versuchte sie es erneut, Marcel meldete sich nicht. Sie beeilte sich, wollte schnell zur\u00fcck &#8230; und dann diese Umleitung, inmitten der Berge.<\/p>\n<p>Zuerst bemerkte sie ihn nicht, den Wagen, der unaufhaltsam aufschloss. Die Scheinwerfer n\u00e4herten sich, ein waghalsiges \u00dcberholman\u00f6ver des kleinen Sportflitzers, und die Stra\u00dfe hinter ihr h\u00fcllte sich wieder in n\u00e4chtliche Schw\u00e4rze.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Bruchteil einer Sekunde glaubte sie den Fahrer des anderen Wagens erkannt zu haben, aber nein, es konnte nicht sein. Frank Meller fuhr ein anderes Auto, einen BMW Z3. Der stand gerade noch vor dem Hotel, in dem Meller auch ein Zimmer bewohnte. Es war ein Alfa Spider, den sie gerade gesehen hatte. Was sollte Meller auch hier, in den einsamen Serpentinenkurven der Alpen? Der Wagen entfernte sich schnell aus ihrem Blickfeld, und wenige Augenblicke sp\u00e4ter tauchte sie wieder in die v\u00f6llige Dunkelheit. Ihre Scheinwerfer bohrten sich in die Nacht. Nach weiteren f\u00fcnf Minuten bemerkte sie erneut Lichter, diesmal vor sich. Gut, dann gab es doch noch Hoffnung, irgendwo eine Abzweigung zu finden, von der aus sie zu ihrem Hotel gelangen k\u00f6nnte. Laut ihrem Navi befand sie sich in einem freien Feld, keine Stra\u00dfe weit und breit, die Stimme schwieg, sagte ihr noch nicht einmal mehr, dass sie umdrehen sollte. Die Lampen n\u00e4herten sich langsam, fuhren vorbei, und erneut war sie alleine. F\u00fcnf Minuten noch, dann werde ich anhalten, und wenn es mitten auf der Stra\u00dfe ist, dachte sie. Ich muss versuchen, Marcel zu erreichen. Ich wei\u00df einfach nicht mehr, wo ich bin. Ein Blitz hinter ihr &#8230; Sie warf einen Blick in den R\u00fcckspiegel, konnte aber nichts Ungew\u00f6hnliches sehen.<\/p>\n<p>Nein, kein Blitz, ein Auto. Scheinwerfer. Sie n\u00e4herten sich. Der Wagen fuhr dicht auf. Verdammt, warum konnte er nicht Abstand halten? Das Auto klebte an ihrer hinteren Sto\u00dfstange, fuhr mit aufgeblendetem Licht so dicht auf, dass sie nichts mehr sah und fast blind fuhr. Die Strecke war zu kurvenreich, als dass sie es wagen konnte, das Handy aus der Tasche zu fischen. Mit einem Mal wurde ihr glasklar bewusst, dass sie verfolgt wurde. Fest umklammerte sie das Lenkrad ihres roten Jaguars.<\/p>\n<p>Rei\u00df dich am Riemen, ermahnte sie sich, schau auf die Stra\u00dfe, konzentriere dich.<\/p>\n<p>Sie musste an ihren Vater denken, der ihr einmal sagte: Gerate nicht in Panik, wenn irgendetwas nicht klappt, Furcht und Angst, gepaart mit Unsicherheit, f\u00fchren unweigerlich in den Untergang.<\/p>\n<p>Wenn ich in Panik gerate, f\u00fchrt es unweigerlich in den Abgrund, dachte sie, als das Auto hinter ihr nochmals Gas gab und sie heftig anstie\u00df.<\/p>\n<p>Schockiert hielt sie das Steuer noch fester in der Hand, versuchte zu beschleunigen, konnte aber die Stra\u00dfe kaum erkennen. Der Regen wurde st\u00e4rker. Wieder stie\u00df der andere Wagen ungest\u00fcm gegen ihre Sto\u00dfstange und lie\u00df sich dann zur\u00fcckfallen. Noch konnte sie sich m\u00fchsam auf der Stra\u00dfe halten, geriet kurz ins Schliddern, hatte ihren Wagen aber sofort wieder unter Kontrolle. Nun gab der andere wieder Gas, quetschte sich zwischen den Jaguar und die Felswand, machte einen Schlenker nach links und stie\u00df nun seitlich gegen ihr Auto. Der Abgrund kam n\u00e4her, sie versuchte dagegen zu steuern, als der andere Wagen erneut so heftig zustie\u00df, dass sie die Kontrolle verlor. Sie konnte das Lenkrad nicht mehr halten und scherte nach links aus, der Abgrund kam n\u00e4her, sie trat auf die Bremse, der fremde Wagen schoss an ihr vorbei, der Jaguar geriet ins Schleudern, drehte sich um die eigene Achse und st\u00fcrzte den Abhang hinunter.<\/p>\n<p>Der Gedankenblitz der ihr Gehirn Sekunden sp\u00e4ter erreichte, lie\u00df sie in aller Klarheit erkennen, dass ihre Ahnungen der letzten Wochen nicht aus der Luft gegriffen waren. Also doch!<\/p>\n<p>Man wollte sie umbringen! Sie schrie auf.<\/p>\n<p>Wie in Zeitlupe fiel der Jaguar in die Schlucht, \u00fcberschlug sich, landete schr\u00e4g auf dem Dach, wurde gegen den Abhang geschleuderte, drehte sich erneut und rutschte dann langsamer, dennoch ohne irgendwo Halt zu finden, tiefer in den Abgrund.<\/p>\n<p>Delia verlor die Besinnung, noch bevor der Wagen zum Stillstand kam.<\/p>\n<p><\/p>\n<p>Wie lange sie hier schon lag, wusste sie nicht, als sie versuchte, langsam die Augen zu \u00f6ffnen. Jeder Atemzug tat weh und schmerzte brutal. Die Dunkelheit um sie herum verhinderte, dass sie etwas erkennen konnte. Sie tastete mit dem linken Arm die n\u00e4here Umgebung ab. Die rechte Hand konnte sie nicht bewegen. Seltsamerweise versp\u00fcrte sie keinen Schmerz in den Beinen.<\/p>\n<p>Vorsichtig hob sie einige Zentimeter den Kopf an, lie\u00df ihn aber sofort wieder sinken, als sie meinte, ein gl\u00fchendes Schwert w\u00fcrde durch ihren K\u00f6rper gesto\u00dfen. Delia schrie laut auf, w\u00e4hrend sie erneut versuchte, den Kopf zu drehen.<\/p>\n<p>Sie fror. Sie lag auf einem nassen Teppich aus Bl\u00e4ttern, Tannennadeln und Moos, so viel sp\u00fcrte sie, als sie mit der linken Hand die Umgebung abtastete. Verzweifelt rief sie um Hilfe.<\/p>\n<p>Langsam setzte die Erinnerung ein. Es war kein Unfall, nein, es war ein Mordversuch, wie sie nun definitiv feststellte. Frank, ihr Prokurist, hatte den vorherigen Anschlag als Unfall abgewiegelt. Fast war sie geneigt ihm zu glauben. Es gab Ungereimtheiten in ihrer Firma. Noch bevor sie Meller damit konfrontieren konnte, merkte sie, dass Geld fehlte. Eine Buchung, die sie angeblich veranlasst hatte, und an die sie sich nicht erinnern konnte, lie\u00dfen sie aufschrecken.<\/p>\n<p>Sollte sie Blackouts haben? Frank Meller tat es mit einem L\u00e4cheln und Schulterzucken ab: \u201eKann doch jedem mal passieren\u201c, meinte er. Sie und Ulla wurden misstrauisch. Ulla notierte sich klammheimlich die Kontobewegungen. Delia kontrollierte ihre Notizen st\u00e4ndig, ebenso den Kontostand.<\/p>\n<p>Letztendlich merkte sie, dass nicht nur Geld fehlte, sondern auch Unterlagen. Die Best\u00e4tigung f\u00fcr einen gr\u00f6\u00dferen Auftrag verschwand, ebenso Unterlagen, die sie unterschrieben und Ulla auf den Schreibtisch gelegt hatte, als sie abends noch im B\u00fcro sa\u00df und arbeitete. Als sie am n\u00e4chsten Tag sp\u00e4ter im B\u00fcro erschien, dachte sie, Ulla habe die Unterlagen weggeschickt. Ulla, normalerweise die Zuverl\u00e4ssigkeit in Person, gab einige Tage sp\u00e4ter an, nichts auf ihrem Schreibtisch vorgefunden zu haben. Der Auftrag, der nun nicht von ihr unterschrieben beim Auftraggeber landete, ging ihnen verloren. Leider war die Produktion angelaufen, und sie mussten f\u00fcr die medizinischen Ger\u00e4te einen neuen Abnehmer finden. Der Verlust hielt sich zwar in Grenzen, dennoch &#8230;<\/p>\n<p>\u201eBist du sicher, dass du ihn unterschrieben auf Ullas Schreibtisch gelegt hast?\u201c Sie erz\u00e4hlte Marcel einige Tage sp\u00e4ter von den merkw\u00fcrdigen Vorkommnissen im B\u00fcro. Warum zweifelte er?<\/p>\n<p>Erleichtert atmete sie auf, als Meller sich bereit erkl\u00e4rte, nach einem neuen Abnehmer dieser Ger\u00e4te zu suchen. Den neuen Kunden hatte er \u00fcberraschend schnell gefunden.<\/p>\n<p>\u201eIch bin doch nicht senil\u201c, erbost sprang sie Tage sp\u00e4ter vom Besprechungstisch auf, \u201eich fahre selbst nach M\u00fcnchen und hoffe, wenigstens diesen Auftrag zu ergattern. Dann h\u00e4lt sich der Verlust in Grenzen.\u201c Eigentlich wollte sie mit Marcel sprechen, er war aber nicht in seinem B\u00fcro.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr meldete Ulla einen Besucher an: Antonio Sanderas, ihren alten Freund. Er kam selten nach Europa, besuchte sie aber jedes Mal, wenn er in Deutschland war. Der Gedanke, ihn in ihre \u00dcberlegungen einzuweihen kam spontan.<\/p>\n<p>Aber bevor sie ihn um Rat fragen w\u00fcrde, wollte sie zun\u00e4chst den Termin in M\u00fcnchen abwarten. Als sie kurze Zeit sp\u00e4ter zu Hause ihre Sachen packte, kam Marcel ihr entgegen.<\/p>\n<p>\u201eDu bist hier?\u201c Erstaunt starrte sie ihren Ehemann an.<\/p>\n<p>\u201eIch k\u00f6nnte dich begleiten\u201c, rief er zur\u00fcck, \u201ewann willst du losfahren?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas w\u00e4re toll, kannst du denn weg?\u201c Er nickte.<\/p>\n<p>Dass Frank Meller ebenfalls in M\u00fcnchen auftauchte, war nicht abgesprochen, dennoch war sie froh, dass er dabei war, denn die Verhandlungen waren z\u00e4h, und dank Franks Verhandlungsgeschick konnte er einen gr\u00f6\u00dferen finanziellen Verlust f\u00fcr die Firma abwenden.<\/p>\n<p>War ihr Argwohn doch falsch gewesen? Sie hatte niemandem etwas von ihrem Verdacht erz\u00e4hlt, auch Antonio nicht. Mit ihm w\u00fcrde sie sp\u00e4ter reden und auch Adrian hinzubitten, der sicherlich bei ihrer Schwester in der Klinik zu finden war.<\/p>\n<p>Und nun lag sie hier, in der Einsamkeit der Berge, inmitten der Wildnis. Keine Menschenseele weit und breit. Und sie fror erb\u00e4rmlich. Verwundert stellte sie fest, dass die Wucht des Aufpralls sie aus dem Wagen geschleudert haben musste. Das letzte, woran sie sich erinnerte, war ihr Schrei und der Sturz in den Abgrund, nachdem der andere Wagen sie von der Stra\u00dfe gedr\u00e4ngt hatte.<\/p>\n<p>Wie lange war das her?<\/p>\n<p><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Sie k\u00f6nnen bald weiterlesen<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1346\" src=\"http:\/\/www.heidrun-buecker.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/9783898417686-208x300.jpg\" alt=\"9783898417686\" width=\"208\" height=\"300\"><\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1348\" style=\"width: 299px; height: 372px;\" src=\"http:\/\/www.heidrun-buecker.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Schardt-Verlag-001-Kopie-239x300.jpg\" alt=\"Schardt Verlag 001 - Kopie\" width=\"239\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.heidrun-buecker.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Schardt-Verlag-001-Kopie-239x300.jpg 239w, http:\/\/www.heidrun-buecker.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Schardt-Verlag-001-Kopie-818x1024.jpg 818w, http:\/\/www.heidrun-buecker.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Schardt-Verlag-001-Kopie.jpg 1182w\" sizes=\"(max-width: 239px) 100vw, 239px\" \/><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Leseprobe von<\/p>\n<h1>&nbsp;&#8222;Gnadenlos&#8220;<\/h1>\n<p><\/p>\n<p align=\"center\"><b><span style=\"color: #000000;\">Prolog<\/span><\/b><\/p>\n<p align=\"center\"><b><span style=\"color: #000000;\">10 Jahre vorher<\/span><\/b><\/p>\n<p align=\"center\"><b><span style=\"color: #000000;\">Neumarkt<\/span><\/b><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der erste Schlag traf Nina an der Schl\u00e4fe, der Schmerz stie\u00df wie ein gl\u00fchendes Schwert bis in ihr Gehirn. Zeit zum Ausweichen blieb nicht, der zweite Hieb setzte sofort nach. Sie meinte, ihr Kiefer w\u00e4re in zwei St\u00fccke gebrochen, als sie auch schon in sich zusammensackte. Die Lippe schien aufgeplatzt, sie sp\u00fcrte, wie Fl\u00fcssigkeit an ihrem Kinn herunterlief, Blut, soviel war sicher.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Julius Althofers Alkoholspiegel war auf einem erh\u00f6hten Level. Sich zu wehren, w\u00fcrde nur seine Aggressionen steigern. Sie h\u00e4tte es ahnen m\u00fcssen, dass er die Party nutzen w\u00fcrde, sie zu qu\u00e4len und ihr vorzuhalten, dass sie an allem selbst schuld sei. Er wollte ihr Geld, er wollte Macht, er wollte sie brechen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Er pr\u00fcgelte auf ihren R\u00fccken ein, sie versuchte nur noch notd\u00fcrftig ihren Kopf zu sch\u00fctzen, als er sie an den Haaren packte und zur Kellertreppe schleifte. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Als sie versuchte den Kopf zu drehen, blitzte etwas. Eine Hand, nicht die, die sie schlug, erkannte sie. Ein Siegelring? Oder \u2026 was hatte sie im Augenwinkel gesehen? Eine T\u00e4uschung? War sie nicht allein mit Julius? Sie versuchte sich mit den H\u00e4nden kurz vor der Kellertreppe an der Wand festzuhalten, wurde aber gnadenlos weiter gezogen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Hier in der Diele, weitab vom allgemeinen Trubel, konnte ihr niemand helfen. Die G\u00e4ste feierten im Garten. Sie h\u00f6rte ged\u00e4mpft die Musik im Hintergrund. Der allgemeine Ger\u00e4uschpegel schwoll an, niemand w\u00fcrde ihr Rufen oder ihre Schreie h\u00f6ren, daf\u00fcr sorgte Julius immer.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der Fu\u00dftritt in ihren Unterleib lie\u00df sie zusammenfahren. Sie schrie auf. Vor Schmerz lie\u00df sie kraftlos die Wand los. Um sich vor weiteren Tritten zu sch\u00fctzen, rollte sie sich zusammen. Julius nutze die Gelegenheit und stie\u00df sie die Treppe herunter. Im letzten Augenblick meinte sie, wie durch eine Nebelwand, ein Gesicht in der Diele zu erkennen. Sie st\u00f6hnte, der Schmerz trieb ihr Tr\u00e4nen in die Augen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Ihr leises Schluchzen, das Weinen Ninas \u2013 nichts hinderte Julius daran, weiter brutal wie im Rausch zuzuschlagen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Schnell hob sie beide Arme hoch, um den Kopf zu sch\u00fctzen, aber damit hatte er gerechnet, der n\u00e4chste Fausthieb traf ihren Magen. Sie zuckte zu zusammen und sank in die Knie. Mit seinem rechten Fu\u00df hatte er nun freie Bahn, holte aus und trat gegen ihren Kopf.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Nina schnappte nach Luft, ein weiterer Schrei, sie st\u00f6hnte, die Schmerzen wurden unertr\u00e4glich. Dennoch blieb sie bei Bewusstsein. Ver\u00e4ngstigt und \u00fcberrascht musterte Nina Julius, mit so viel Wucht hatte er noch nie zugeschlagen. Warum werde ich nicht ohnm\u00e4chtig? wunderte sie sich, als auch schon seine linke Hand in ihre Haare griff, heftig daran zog, so dass sie ihren Kopf heben musste, um anschlie\u00dfend mit seiner rechten Faust Nina einen Kinnhaken zu versetzen. Ihr Kopf flog nach hinten, ihr Hinterkopf schlug gegen die Kellerwand, irgendetwas knackte \u2026 <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Ein trockenes W\u00fcrgen entrann ihrer Kehle. Sie konnte nicht mehr atmen, nicht mehr schlucken, nicht mehr denken. Seine Augen schillerten wie zerbrochenes Glas, blitzen auf. Schmerz durchzuckte ihren Kopf. Nina versank in eine schwarze Wolke, suchte das Vergessen, w\u00fcnschte sich, endlich in das tiefe Loch zu fallen, wie so oft zuvor. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Ihre Hilflosigkeit setzte eine h\u00f6llische Energie und Wut in ihm frei, die ihn anspornte, grausamer zuzuschlagen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201eNein, nicht \u2026 nein\u201c, schrie sie mit kraftloser Stimme, als Julius sich ihr erneut n\u00e4herte. Unter Mobilisierung ihrer letzten Kr\u00e4fte rutschte sie auf dem nackten Betonboden nach hinten in eine sch\u00fctzende Ecke. Dort kauerte sie sich zusammen und drehte ihr Gesicht zur Wand, darauf wartend, dass er erneut heftig zuschlug und dass sich endlich das schwarze Loch unter ihr \u00f6ffnete, um sie zu verschlingen und auszul\u00f6schen. Eine Besinnungslosigkeit, die sie hinunterzog in den kalten Schlund des Vergessens, der Ohnmacht und der Ersch\u00f6pfung. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Dann \u00fcberw\u00e4ltigte sie eine gnadenvolle Bet\u00e4ubung und riss sie mit sich in die Tiefen des Unterbewusstseins.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Als sie im Keller erwachte, wusste sie sofort, wo sie sich befand. Julius hatte sie besinnungslos in das Kellerverlie\u00df gezerrt und einfach auf dem kalten Steinboden liegen gelassen. Sie versuchte erst gar nicht, die T\u00fcr zu \u00f6ffnen, denn auch wenn er noch so betrunken war, er verga\u00df schon lange nicht mehr abzuschlie\u00dfen. St\u00f6hnend versuchte sie aufzustehen, um zumindest die Lampe einzuschalten. Im Dunkeln tastete sie sich vor und erreichte den Schalter. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Gottlob befanden sich ein WC und eine Waschgelegenheit im Nebenraum. Kriechend bewegte sie sich zum Waschbecken. Vorsichtig fuhr sie mit der linken Hand \u00fcber ihr Gesicht, tastete es ab. Es schien nur noch aus einer undefinierbaren Masse zu bestehen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Sie f\u00fchlte eine einzige offene Wunde, sie sp\u00fcrte das Blut. Ihren rechten Arm konnte sie nicht bewegen, gebrochen, wie sie sich eingestehen musste. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Erneut schrie sie st\u00f6hnend auf. Jede Bewegung, jede Ersch\u00fctterung verursachte H\u00f6llenqualen. Mittlerweile kannte sie die Schmerzen, kannte die Folter, die Qual mit der sie nun alleine fertig werden musste. Vorl\u00e4ufig w\u00fcrde sich niemand um sie k\u00fcmmern.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Langsam setzte der erbarmungslose Schmerz ein. Sie musste sich \u00fcbergeben und meinte ihre letzte Stunde h\u00e4tte geschlagen. Sie spukte Blut, das Sehen fiel ihr schwer, alles verschwamm vor ihren Augen. Das Pochen in ihrem Sch\u00e4del steigerte sich ins Unermessliche. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Urpl\u00f6tzlich h\u00f6rte sie ein Ger\u00e4usch. Es kam von der T\u00fcr her. Sie zuckte zusammen. W\u00fcrde Julius abermals zu ihr kommen? Sie in seinem ungez\u00fcgelten Zorn nochmals zusammenschlagen? Oder einer der anderen brutalen, r\u00fccksichtslosen Kerle? Wann nahm diese Qual endlich ein Ende?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Langsam drehte sich der Schl\u00fcssel von au\u00dfen im Schloss der T\u00fcr. Bed\u00e4chtig wurde die T\u00fcrklinke heruntergedr\u00fcckt und z\u00f6gernd die T\u00fcr langsam aufgezogen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Nina zuckte zusammen, sie erstarrte. Fassungslosigkeit machte sich breit. Nina erkannte die Person, die sich ihr n\u00e4herte, und schrie entsetzt auf. <\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><b><span style=\"color: #000000;\">Kapitel 1<\/span><\/b><\/p>\n<p align=\"center\"><b><span style=\"color: #000000;\">Gegenwart Neumarkt<\/span><\/b><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201eHerr Althofer, Sie haben Ihre Frau f\u00fcr tot erkl\u00e4ren lassen, s\u00e4mtliche Fristen wurden eingehalten, nun ist es so weit.\u201c Der Rechtsanwalt, der Julius Althofer die niederschmetternde Mitteilung \u00fcbermittelte, grinste \u2013 nur innerlich, \u00e4u\u00dferlich gelassen, fuhr er fort: \u201eIhre Frau Nina hatte w\u00e4hrend Ihrer Ehe nicht die M\u00f6glichkeit \u00fcber ihr Geld zu verf\u00fcgen, stimmt das?\u201c <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201eSie musste kurz gehalten werden\u201c, erwiderte Althofer, \u201esie konnte nicht mit Geld umgehen, das haben meine Mutter und ich f\u00fcr sie erledigt. Ihr Geld wurde auf ein Konto hinterlegt und nicht angetastet. Es war stets auch die Unterschrift meiner Frau bei jeder Transaktion n\u00f6tig.\u201c <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201eVon Ihrer Mutter und Ihnen wurde das Geld verwaltet? So, so.\u201c Konrad Melanger, Notar, Rechtsanwalt und Nachlassverwalter, konnte sich die kleine, bissige Bemerkung nicht verkneifen. Nach Durchsicht seiner Unterlagen, schien die seit zehn Jahren vermisste und nun f\u00fcr tot erkl\u00e4rte Ehefrau von Julius Althofer es nicht leicht gehabt zu haben. Die herrische Familie, in die sie vor zwanzig Jahren einheiratete, nahm ihr das Geld kurz nach der Hochzeit weg, lagerte es auf ein Konto ein, zu dem der Ehemann und seine Mutter Franziska, mittlerweile fast neunzig Jahre alt, Zugriff hatten. Gl\u00fccklicherweise musste jede Abhebung von Nina Althofer gegengezeichnet werden. Melanger hatte sich bei der Bank erkundigt, es schien noch vorhanden zu sein. Kein Wunder, ohne Nina Althofers Unterschrift kamen sie nicht an das Geld. Und Nina Althofer war seit \u00fcber zehn Jahren spurlos verschwunden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201eMeine Frau war nicht imstande, ihr Erbe selbst\u00e4ndig zu verwalten\u201c, versuchte Althofer erneut eine Erkl\u00e4rung, \u201enicht, dass Sie meinen, ich h\u00e4tte sie damals ihres Verm\u00f6gens wegen geheiratet.\u201c Nun wirkte er vorsichtig.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Ach, nein? Da bin ich anderer Meinung, dachte Melanger, du hast ihr das Geld genommen und sie als billige Kraft, Putzfrau und Pflegerin deiner Mutter behalten, laut sagte Melanger: <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201eWas ich denke, ist unwichtig. Fakt ist, sie hat ein Testament hinterlassen.\u201c <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201eWie bitte\u201c, nun fuhr Althofer hoch, sprang aus seinem Sessel und st\u00fctzte sich auf dem Schreibtisch vor sich ab, \u201eein Testament? Dazu war sie doch zu bl\u00f6d. Wie h\u00e4tte sie das machen sollen? Das werde ich anfechten.\u201c <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201eWarum, Herr Althofer? Anfechten? Aus meinen Unterlagen geht hervor, dass Ihre Frau nicht unter Ihrer Betreuung stand.\u201c <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201eNat\u00fcrlich nicht, ich wollte eine solche Blamage meinen Kindern nicht zumuten\u201c, donnerte er, \u201ewie h\u00e4tte es ausgesehen, eine Mutter zu haben, die\u201c, er suchte nach Worten, \u201ebekloppt ist? Meine S\u00f6hne haben es nat\u00fcrlich selbst festgestellt, aber \u2026\u201c <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201eTja\u201c, meinte Melanger, \u201edann verfasste sie das Testament im Vollbesitz ihrer geistigen Kr\u00e4fte, und es ist g\u00fcltig.\u201c <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201eIch fechte es an!\u201c <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201eLeider wird das nicht einfach werden, zumal eine gewisse\u201c, Melanger bl\u00e4tterte in seinen Unterlagen, \u201eEva Vortkamp sie zum Rechtsanwalt begleitet hatte. Sie unterschrieb damals als Zeugin.\u201c <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201eEva Vortkamp?\u201c Althofer schrie den Namen. \u201eDas ist unsere Nachbarin. Sie steckte mit meiner Frau unter einer Decke, dieses Mistst\u00fcck, dieses Luder\u201c, er beherrschte sich, doch sein hochroter Kopf besagte etwas anderes, \u201esie hat meine Frau aufgehetzt. Ist sie in dem Testament auch beg\u00fcnstigt?\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Melanger sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eNiemand von Ihnen, Herr Althofer, Ihre Frau hat ihr Geld einer Stiftung hinterlassen.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">&nbsp;<\/span><span style=\"color: #000000;\">\u201eEiner Stiftung?\u201c Althofer spuckte Gift und Galle. \u201eDas Testament kann nicht von meiner Frau sein, sie h\u00e4tte das Geld ihrer Familie hinterlassen, ihren S\u00f6hnen und auch mir.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">&nbsp;<\/span><span style=\"color: #000000;\">\u201eIhre Frau hat Briefe hinterlassen. Sie sind bereits an die Empf\u00e4nger verschickt worden, Herr Althofer\u201c, Melanger genoss den Triumpf, diesem absto\u00dfenden Mann den Rest zu geben, \u201eadressiert waren sie an die Eva Vortkamp, an die Polizei und \u2013 ach ja, ich erinnere mich, an Sie und Ihre S\u00f6hne. Allerdings werden sie Ihnen erst bei der Testamentser\u00f6ffnung \u00fcberreicht, und die ist in einer Woche. Ich darf Ihnen das Schreiben und die Einladung \u00fcberreichen? Das gilt auch f\u00fcr Ihre S\u00f6hne.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Mit eiskalten Augen nahm Melanger drei Schreiben aus seiner Mappe und legte sie vor Althofer auf den Tisch. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Fast tat Althofer ihm nun leid \u2013 denn er kannte den Inhalt aller Briefe. Doch Mitleid konnte man mit diesem Mann nicht haben. Er empfand eher ein Gef\u00fchl der Genugtuung. Als er aufstand, erlebte er einige Sekunden der Zufriedenheit, sch\u00fcttelte diesen Sinnesreiz ab und konzentrierte sich erneut auf seinen eigentlichen Auftrag. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201eSie werden in den n\u00e4chsten Tagen von den Personen h\u00f6ren, denen Ihre Frau Nachrichten hinterlassen hat.\u201c Er raffte seine Unterlagen zusammen, stopfte sie zur\u00fcck in seine Mappe, nickte kurz und wandte sich dem Ausgang zu. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">In seinem Wagen atmete Melanger tief durch. Die erste H\u00fcrde w\u00e4re geschafft. Bevor er den Motor startete, zwang er sich zu einem L\u00e4cheln. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Nina Althofer, eine Frau, die vor zehn Jahren spurlos verschwand, hatte vorgesorgt. Ihm lief ein kalter Schauer \u00fcber den R\u00fccken, als er daran dachte, was in den Briefen stand. Wusste Althofer davon? Sicherlich nicht. Den Stein brachte er pers\u00f6nlich ins Rollen, als er den Antrag stellte, seine Frau f\u00fcr tot zu erkl\u00e4ren. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Calibri; font-size: medium;\">&nbsp;<\/span>Interesse weiter zu lesen?&nbsp; Das Buch ist ab sofort im Handel erh\u00e4ltlich<\/p>\n<p><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1206\" src=\"http:\/\/www.heidrun-buecker.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/1045059_433458970098846_836323128_n1-300x168.jpg\" alt=\"1045059_433458970098846_836323128_n[1]\" width=\"300\" height=\"168\" srcset=\"http:\/\/www.heidrun-buecker.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/1045059_433458970098846_836323128_n1-300x168.jpg 300w, http:\/\/www.heidrun-buecker.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/1045059_433458970098846_836323128_n1.jpg 552w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1246\" src=\"http:\/\/www.heidrun-buecker.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/img003-300x212.jpg\" alt=\"img003\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"http:\/\/www.heidrun-buecker.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/img003-300x212.jpg 300w, http:\/\/www.heidrun-buecker.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/img003-1024x724.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p><\/p>\n<h2>&#8222;Wenn der Morgen kommt&#8220;<\/h2>\n<p>Das hektische Treiben auf dem festlichen Bankett lie\u00df dem Personal keine Zeit, auch nur kurz zu verschnaufen. Es ging auf Mitternacht zu. Musik untermalte leise die ausgelassene, fr\u00f6hliche Atmosph\u00e4re. \u00dcberall gruppierten sich die G\u00e4ste, unterhielten sich. Englisch, Deutsch, Italienisch und Spanisch vermischten sich untereinander.<\/p>\n<p>Eine schmale Person, halb versteckt hinter gro\u00dfen Palmen, die in noch gr\u00f6\u00dferen T\u00f6pfen in der Halle standen, mit davor arrangierten, anderen gr\u00fcnen Tropengew\u00e4chsen, beobachtete verhalten die Menschenmenge. Sie lie\u00df die Blicke in alle Richtungen schweifen, suchte und fand die blonde Person. Ein kurzer Augenkontakt signalisierte: Es beginnt.<\/p>\n<p>Sofort strafften sich ihre Schultern, gesch\u00e4ftig trat sie hinter den Pflanzen hervor. Nun verlangte die Lage h\u00f6chste Konzentration.<\/p>\n<p>Zuerst bemerkte sie ihn nicht, schenkte dem dunkelhaarigen, jungen Mann keine Beachtung, der zielstrebig in ihre Richtung lief. Sie wandte sich dem Ort zu, an dem sich ihre Kontaktperson aufhielt, die nun mit v\u00f6lligem Desinteresse ihre Blicke durch das Publikum schweifen lie\u00df. Sie n\u00e4herte sich dieser blonden Frau langsam, ruhig, aber mit gezielten Schritten. Als sie sich auf gleicher H\u00f6he mit dem jungen Mann befand, durchfuhr sie ein Schauer, eine irrationale Empfindung, die sie nicht zuordnen konnte. Als ihre linke Hand die rechte des jungen Mannes streifte, war es wie ein Stromschlag, der ihren K\u00f6rper durchfuhr. Auch der junge Mann bemerkte es, stockte, verharrte den Bruchteil einer Sekunde, sch\u00fcttelte das kurze, minimale Unwohlsein verunsichert ab und lief z\u00f6gerlich weiter.<\/p>\n<p>Elena hatte diese Situation mehr mitgenommen, als sie es sich zun\u00e4chst selbst eingestehen wollte. Ein Gedankenblitz durchzuckte ihr Gehirn. Dieser junge Mann &#8230; diese \u00c4hnlichkeit, diese &#8230; Nein, das konnte nicht sein. Sie irrte sich &#8230; sie musste sich irren &#8230; es war nur &#8230; Ja, was?<\/p>\n<p>Etwas explodierte in ihrem Inneren. Ihr Herz h\u00e4mmerte, ihr Puls raste. Eine vage Erinnerung, noch nicht greifbar. Sie musste sich mit aller Macht auf ihre eigentliche T\u00e4tigkeit konzentrieren. Es fiel ihr schwer. Die blonde Frau suchte nun ihrerseits wiederholt Blickkontakt, runzelte leicht die Stirn und suchte die Umgebung ab. Sie konnte aber nicht erkennen, was ihre Mitstreiterin aus der Fassung gebracht hatte.<\/p>\n<p><\/p>\n<h4>Neugierig?<\/h4>\n<p>Ich hoffe, das Interesse geweckt zu haben. Ab Dezember im Handel.<\/p>\n<p>Schardt&nbsp; Verlag&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; ISBN 978-3-89841-725-9&nbsp;&nbsp;&nbsp; 12,80 \u20ac<\/p>\n<p>nat\u00fcrlich auch als E-Book erh\u00e4ltlich<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.heidrun-buecker.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Cover-halb.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1220\" src=\"http:\/\/www.heidrun-buecker.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Cover-halb-209x300.jpg\" alt=\"Cover halb\" width=\"209\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.heidrun-buecker.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Cover-halb-209x300.jpg 209w, http:\/\/www.heidrun-buecker.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Cover-halb-714x1024.jpg 714w, http:\/\/www.heidrun-buecker.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Cover-halb.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 209px) 100vw, 209px\" \/><\/a><\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p align=\"center\"><b>Prolog<\/b><\/p>\n<p align=\"center\"><b>23 Jahre zuvor<\/b><\/p>\n<p align=\"center\"><b>&nbsp;<\/b><\/p>\n<p>Die Wagenkolonne rollte durch hellen, wei\u00dfen Sand. Vereinzelt Steine, ab und zu Felsen, an denen sich der Fahrer orientieren konnte. Der Chauffeur schien genau zu wissen, wo er sich befand. Eine Stra\u00dfe war nicht zu sehen. Ab und zu nahm man Reifenspuren wahr, wenn der Untergrund aus Felsen oder Kies bestand. Die Strecke bis ins n\u00e4chste Dorf zog sich hin. Au\u00dfer einigen zerkl\u00fcftete Felsen, die als Wegweiser dienten, einigen Steinhaufen, von Menschenhand aufgeschichtet, war nur der wolkenlose, blaue Himmel und der vor Hitze flirrende Sand zu sehen. Im Wageninneren brummte die Klimaanlage auf Hochtouren. Die Temperatur kletterte drau\u00dfen auf \u00fcber f\u00fcnfundvierzig Grad. Schatten gab es nicht.<\/p>\n<p>Hin und wieder begegnete ihnen ein anderes Auto, selten zwar, aber doch bestand eine Busverbindung zur Oase. Die schon \u00e4lteren Fahrgelegenheiten, die ihnen entgegenkamen, erf\u00fcllten ihren Zweck. Zweimal t\u00e4glich pendelten diese gr\u00f6\u00dferen, alten Jeeps zwischen der modernen, westlich orientierten Hauptstadt des W\u00fcstenlandes am Meer und dem Hinterland. Sie begegneten einigen Kamelen, die unter den wenigen Palmen, die den Weg s\u00e4umten, standen und sich ausruhten. Nach fast einer Stunde Fahrt, die die Insassen des mittleren Wagens fast schweigend zur\u00fccklegten, erreichten sie eine Art Kreuzung.<\/p>\n<p>\u201eHoheit\u201c, wagte der Begleiter, der auf dem Beifahrersitz sa\u00df, zu fragen, \u201ewenn Sie uns sagen, wen Sie aufsuchen wollen, in der Oase, dann k\u00f6nnten wir &#8230;\u201c<\/p>\n<p>Weiter kam er nicht. Der Angesprochene winkte ab. \u201eIch bin mir selbst nicht sicher\u201c, sagte er, \u201eich erkl\u00e4re es euch, wenn ich mit der Frau gesprochen habe.\u201c Nachdenklich hielt er einen Brief in der Hand, den er immer wieder las, dann aber in seinem wei\u00dfen Gewand verschwinden lie\u00df. \u201eDer Brief ist von einer entfernten Verwandten, von deren Existenz ich nichts ahnte. Ich verstehe es nicht genau, aber sie ist im Besitz bedeutungsvoller Informationen, die sie mir unbedingt pers\u00f6nlich anvertrauen will. Es ist \u00e4u\u00dferst wichtig, schrieb sie mir.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEine Verwandte?\u201c Sein Begleiter Mohammed, seit Jahren sein engster Vertrauter, blickte ihn misstrauisch an. \u201eKarim\u201c, wenn sie alleine waren, lie\u00df er die formelle Anrede beiseite, \u201ewarum hast du uns nichts gesagt? Wir h\u00e4tten es erst einmal \u00fcberpr\u00fcft. Ist es denn m\u00f6glich, dass du noch eine entfernte Cousine hast, von der du bislang nichts wusstest? Die du nicht einmal kennst? Das halte ich f\u00fcr unm\u00f6glich. Es k\u00f6nnte eine Falle sein!\u201c<\/p>\n<p>Karim sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eDaher habe ich nichts von dem Brief gesagt. Es wei\u00df niemand, dass wir auf dem Weg zu ihr sind. Sie bat um die Unterredung, nur sie wei\u00df, dass wir heute kommen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber\u201c, begann Mohammed nochmals, \u201ees ist m\u00f6glich, dass der \u00dcberbringer der Botschaft abgefangen wurde. Karim, es w\u00e4re nicht das erste Mal, dass man auf diese Art versucht, dich in einen Hinterhalt zu locken.\u201c<\/p>\n<p>Karim sch\u00fcttelte energisch den Kopf. \u201eNein! Sie wusste \u00fcber Dinge Bescheid, die nur wenige kennen k\u00f6nnen. Ich habe den Eindruck, sie will mich vor etwas warnen, vor &#8230;\u201c Er schwieg, war sich nicht sicher, diese brisante Information an seinen Begleiter weiterzugeben. Er blieb vage.<\/p>\n<p>\u201eEs geht um die Familie, um engste Familienmitglieder, um Dinge, die &#8230;\u201c Gedankenvoll blickte er aus dem Wagenfenster. \u201eIst es noch weit bis zur Oase?\u201c<\/p>\n<p>Der Fahrer sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eNein, Hoheit, wir sind schon an der Kreuzung angelangt, wir biegen nun rechts ab und fahren fast direkt darauf zu. Links geht es zu dem alten Milit\u00e4rflughafen und geradeaus ins Gebirge.\u201c<\/p>\n<p>An der Kreuzung stand an der linken Seite ein verrostetes Hinweisschild. Einige Autowracks zierten den Stra\u00dfenrand, halb mit W\u00fcstensand bedeckt. Der Verkehr nahm zu, mehrere Laster, einige Jeeps und Eselskarren benutzten die Stra\u00dfe. Kinder zogen mit Kamelen am Weg entlang und bestaunten den Konvoi von vornehmen, schwarzen Gel\u00e4ndewagen. Ein kleiner Junge n\u00e4herte sich neugierig den drei Wagen, die das Tempo verringern mussten, um abzubiegen. Er l\u00e4chelte und winkte den Insassen zu. Eins der Kamele versperrte ihnen den Weg, so dass der Fahrer des ersten Wagens stehen bleiben musste.<\/p>\n<p>Der Junge kam neugierig n\u00e4her, lugte in den Wagen, klopfte an die Scheibe des mittleren Autos und deutete auf das als Geschenk verpackte Paket in seiner Hand. Der junge Mann, der neben dem Herrscher des kleinen W\u00fcstenstaates sa\u00df, \u00f6ffnete die Wagent\u00fcr und nahm den Karton l\u00e4chelnd an.<\/p>\n<p>Noch bevor er sich bedanken konnte, verschwand die Freundlichkeit aus den Augen des Jungen, der Blick des Kindes wurde verschlagen und hinterlistig.<\/p>\n<p>Als der Junge sich umdrehte und wegrannte, hatte Mohammed erkannt, was dieses Ding, das er in seiner Hand hielt, war. Eine Bombe. Die Wucht der Explosion ersch\u00fctterte die drei Fahrzeuge. Die Insassen der Autos in der N\u00e4he sahen zun\u00e4chst nur einen gl\u00fchend wei\u00dfen Blitz und dann einen sehr viel gr\u00f6\u00dferen, orangeroten Feuerball, bis sich schlie\u00dflich eine dichte, dunkelgraue Wolke bildete. Die gesamte Umgebung lag voller Glassplitter, brennende Metallteile rieselten auf die Erde. Ein sanfter Regen aus hellem, wei\u00dfem W\u00fcstensand folgte, bevor sich eine seltsame, unheimliche Stille \u00fcber die bizarre Kulisse breitete.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Machtlos&#8220; Die Deutsche Ulrike Bauer wird in Kolumbien des Mordes an ihren beiden Kindern und ihrem Mann angeklagt. Obwohl sie unschuldig ist, scheinen die Beweise gegen sie erdr\u00fcckend zu sein. Sie wird zu lebenslanger Haft verurteilt. 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